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Dr. Erich Beckers
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(aktualisiert: 04.05.2009) |
Evaluation des Projekts 'Jedem Kind ein Instrument'Die Evaluation des Bochumer Projekts 'Jedem Kind ein Instrument' ist abgeschlossen. 2 Jahre lang haben meine Frau und ich Untersuchungen in Bochumer Grundschulen durchgeführt und ausgewertet. Wir bedanken uns bei den vielen Kindern, Eltern und Lehrern, die so bereitwillig an den Untersuchungen teilgenommen haben und freuen uns, dass unser abschließender Forschungsbericht gerade im LIT-Verlag erschienen ist (siehe auch Pressemitteilung vom 21.08.2008). Hier ein Überblick über die durchgeführten Erhebungsschritte:
Ansatz der EvaluationsforschungIm Folgenden möchte ich Sie kurz über den gewählten wissenschaftlichen Ansatz dieser Evaluationsforschung informieren. Knapp formuliert befasst sich die „Evaluationsforschung (...) mit der Bewertung von Maßnahmen oder Interventionen." (Bortz/Döring 1995, 95). Im vorliegenden Fall ging es um die Bewertung des in Bochum seit 2003 laufenden Projekts ‚Jedem Kind ein Instrument’. Das erklärte Projektziel lässt sich dahingehend zusammenfassen, möglichst vielen Kindern durch die Begegnung mit Musikinstrumenten einen Zugang zur Musik zu ermöglichen. Daraus ergab sich bereits eine zentrale Aufgabenstellung für die Evaluationsforschung. Es sollte vor allem untersucht und beurteilt werden, inwieweit es im Rahmen des Projekts gelingt, Kindern diese Möglichkeit zu eröffnen. Ein Kriterium für den Projekterfolg war folglich das von den Projektinitiatoren und –beteiligten anvisierte und selbst gesteckte Projektziel. Ein weiteres Kriterium ergab sich aus musikpädagogischen und –didaktischen Standards, die Hinweise darauf geben können, welche Ziele mit musikpädagogischen Maßnahmen überhaupt zu erreichen sind bzw. erreicht werden sollen und mit welchen Methoden dies am ehesten gelingen kann. Dabei sollte jedoch nicht das Ergebnis alleine als Maßstab für Erfolg oder Misserfolg des Projekts betrachtet werden. Nach unserer Überzeugung kann eine solche summative Evaluation, die nach Projektabschluss mit dem Ziel durchgeführt wird, die Wirksamkeit der Maßnahme anhand der erbrachten Ergebnisse bzw. Netto-Effekte zu beurteilen, musikpädagogischen Projekten kaum gerecht werden. Uns ging es daher vielmehr darum, den Prozessverlauf und das Zusammenwirken der vielen beteiligten Faktoren zu erfassen und zu verstehen. Es handelt sich hier um ein vielschichtiges Beziehungssystem, eingebunden in verschiedene Institutionen, deren Ergründung voraussetzt, alle Projektbeteiligten zu Wort kommen zu lassen, also neben den Kindern, die u. E. natürlich die Hauptpersonen sind, auch die Lehrer/innen und Eltern. Ein solches Ansinnen ließ sich nach unserem Dafürhalten am ehesten mit einem formativen Ansatz verwirklichen. Formative Evaluation findet – anders als die summative – projektbegleitend statt, indem vornehmlich die vielschichtigen Projektabläufe in den Blick genommen werden. Besonders wichtig erschien uns dabei der Umstand, dass hiermit die Möglichkeit gegeben war, die Zwischenergebnisse der formativen Evaluation unmittelbar in das laufende Projekt zurückfließen zu lassen und dazu zu nutzen, das Projekt ggf. zu modifizieren und nach Möglichkeit zu optimieren (vgl. von Kardorff 2000). Insofern kamen hier z. T. durchaus Aspekte einer Interventionsforschung zum tragen. Ein weiteres Wesensmerkmal unseres Forschungsansatzes besteht darin, dass hier überwiegend mit qualitativen Forschungsmethoden gearbeitet wurde. Qualitative Forschung folgt einer anderen Forschungslogik als quantitative Forschung. Grundlegende Merkmale qualitativer Forschung sind demnach u. a. „(...) die Gegenstandsangemessenheit von Methoden und Theorien“ und „die Berücksichtigung und Analyse unterschiedlicher Perspektiven (...)“ (Flick 1995, 13). Eine solche Sichtweise kam unserem Ansinnen sehr entgegen. Bei der Evaluation des Projekts sollten die hieran beteiligten Subjekte in den Mittelpunkt gerückt werden, d. h. ihre Erfahrungen, Sichtweisen, Deutungen und Interpretationen waren für die Beurteilung des Projekts von ausschlaggebender Bedeutung (vgl. Beckers, E. 2004). U. E. kann es so gelingen deutlich näher an die Besonderheiten musikpädagogischer Projekte heranzukommen, als dies mit einer rein quantitativen Zugangweise möglich wäre. Es geht aber ganz und gar nicht darum, qualitative und quantitative Methoden gegeneinander auszuspielen, sondern die dem Untersuchungsgegenstand angemessene bevorzugt zur Anwendung zu bringen (Kelle/Erzberger (2000). Dabei lassen sich im Sinne einer Triangulation verschiedene forschungsmethodische Ansätze durchaus sinnvoll zur gegenseitigen Absicherung und Ergänzung der Befunde nutzen (vgl. Flick 2006). Wir haben daher im Rahmen dieser Evaluationsforschung zu einigen Fragestellungen, bei denen es sinnvoll erschien, zusätzlich quantitative Daten erhoben und vorwiegend mit Methoden der deskriptiven Statistik ausgewertet. Die der Evaluationsforschung zugrunde gelegten Fragestellungen waren bewusst sehr offen formulierte und wurden - dem gewählten Forschungsansatz entsprechend - im Forschungsverlauf flexibel gehandhabt: Was bedeutet das Projekt für die Schüler/innen und wie erleben sie es in Bezug auf: Umgang mit Musikinstrumenten, gemeinsames Musizieren, Instrumentalspiel und Instrumentalunterricht, Entfaltung musikalischer Fähigkeitsbereiche, Lern- und Übekompetenzen? Was bedeutet das Projekt für die Musikschullehrer/innen und wie erleben sie es in Bezug auf: Projekt- und Unterrichtsziele, Unterrichten in Grundschulen und in ungewohnten Gruppenkonstellationen, Lernen und Üben aus instrumentalpädagogischer Sicht? Wie beurteilen die Eltern das Projekt in Bezug auf: Unterrichtserfolge und musikalische Entwicklung ihrer Kinder, Teilnahmegründe und -hindernisse, sonstige Auswirkungen auf ihre Kinder? Wie gestaltet sich der JeKi-Unterricht in Bezug auf: Schüler-, Lehrerverhalten, Sozialformen, Motivation, Störfaktoren, didaktisch-methodische Orientierungen? (Dr. Erich Beckers)
Meine Veröffentlichungen zu diesem Thema:Beckers, Erich & Beckers, Renate (2006, unv.): Zwischenbericht Jedem Kind ein Instrument. Wissenschaftliche Begleitung 08. Mai 2006. Münster. Beckers, Erich; Beckers, Renate; Schulten, Maria Luise (2006,
Pressemappe): Präsentation der Ergebnisse der Wissenschaftlichen Begleitung
des Projektes „Jedem Kind ein Instrument“ Faszination Musikinstrument –
Musikmachen motiviert. 04. Juni 2007. Bochum.
http://www.gls.de/fileadmin/media/pdf_treuhand/praesentation Beckers, Erich & Beckers, Renate (2008): Faszination Musikinstrument - Musikmachen motiviert. Bericht über die 2-jährige Evaluationsforschung zum Bochumer Projekt „Jedem Kind ein Instrument“. Zukunftsstiftung Bildung in der GLS Treuhand e. V. Bochum (Hg.). Münster: Lit. Beckers, Erich (2008):
Musikschullehrer evaluieren sich selbst. Abschlussbericht zu „response -
Anleitung zur Selbstevaluation“ im Rahmen der Wissenschaftlichen Begleitung des
Bochumer Projekts ‚Jedem Kind ein Instrument’ (Manuskript erhältlich bei der
Zukunftsstiftung Bildung e. V., Bochum). |